Sonntag, 7. September 2014

Fjorde

Die heutige Tour war eher unspektakulär. Aber gut, permanent 150% wäre auch unrealistisch :-)
Der Vatnajökull Nationalpark wurde hinter sich gelassen und es ging weiter der Südküste entlang nach Höfn. Höfen ist vermutlich das "Hummer Mekka" der Isländer. Zudem eine der grösseren Städte.  Aber der Begriff grössere Stadt raftrelativiert sich etwas wenn man offizielle Karten von Island ansieht. Hier werden selbst in grossen Karten bereits einzeln stehende Höfe oder Gasthäuser dargestellt und mit Namen versehen wie in deutschen Karten erst richtige Siedlungen. Orte / Städte werden dann mit bis 100, bis 400 unter 1000, über 1000 und über 2000 Einwohner dargestellt. Letztere sind nur wenige Städte,  ohne genau nachgesen zu haben dürften es unter fünf Städte sein. Höfn ist mit seinen ca. 1600 Einwohnern damit im oberen Mittelfeld.
Nach Höfn wird die Südküste verlassen und es geht weiter in Richtung Norden entlang der Ostküste. Diese ist wesentlich schroffer und steiler und mit teileise langen Fjorden durchzogen was die Fahrstrecke nicht unwesentlich verlängert. Kurz hinter Höfn hat man vor ein paar Jahren einen Tunnel gebaut um den kleinen Almannaskarð Pass zu umgehen, der bis dahin mittels einer Schotterpiste mit auf der Landseite 10% und der Seeseite 16% Neigung zu ersetzen. Achja, diese Schotterpiste gehörte zur Strasse Nr. 1 die als Hauptschlagader ein mal komplett um die Insel führt. Auf der Landseite kann man noch auf die "Passhöhe" hochfahren um den "Ausblick" zu geniessen. Wegen der diesigen Luft musste die Ansichtstafel die Vorstellungskraft unterstützen.  Gleichzeitig kann man während sich der Bus hinaufkämpft erahnen wie sinnvoll der Tunnelbau war.
Entlang der Küstenlinie mit stetem Bergauf und Bergab geht er in Richtung Djúpivogur zur Mittagsrast. Zuvor gab es noch einen kleinen Stopp an einem Leuchtturm und mitten in der Steilküste. Unterweges fallen mir Strommasten auf die nicht in die üblichen Raster fallen. Überlandleitungen mit drei Leitern, klar Drehstrom aber was ist die Trasse nebendran mit dem einen Leiter? Vom Isolator her mit niedrigerer Spannung wie die Drehstromtrasse. Dürfte so um dir 20kV sein. Am Leuchtturm gab es dann die Auflösung wenn man sich den dortigen Trafo am Mast anschaute.  Die Isländer benutzen für das Einphasennetz die Erde als Rückleiter und sparen sich damit die zweite Strippe. Womit sich Wikipedia mit der Aussage der Nichtanwendung in Europa irrt.
de.m.wikipedia.org/wiki/Single-Wire-Earth-Return
In Djúpivogur wurde nach dem Genuss eines leckeren Lachsbrot der örtliche Hügel erklommen um einen guten Blick in den dortigrn Fjord zu bekommen. Anschließend noch ein Blick am Hafen auf die dortige Kunstinstallation zwischen der Lebertranfabrik und Kaimauer. Getreu dem Motto "Ist das Kunst, ode kann das weg?" hat man die Straßenseite zum Wasser hin mit überdimensionalen Eiern aus Stein divererser Vogelarten verziert.
Jetzt geht es hinein in den Fjord und kurz vor dem Ende wird (wieder mal) ein hübscher Wasserfall begrüsst. Danachgeht es auf der Nordseite des Fjords wieder heraus um Hotel im nächsten Tal anzusteuern. Hotel Stadarborg ist eine ehemalige Schule und mitten "in the middle of nowher" im Breiðdalur Tal in der Nähe von Breiðdalur was nach kurzem Spaziergang auf den Hügel hinter dem Hotel bestätigt wurde. Ich erinnerte mich just wieder mal an einen Satz den man auf einer Schottland-Tour oft zu hören bekam wenn msn sagte dass man bis nach Wick fahren wollte: "What do you want in Wick? There is nothing." Die kannten wohl Island nicht.  :-)
Das Wetter war nicht ganz so toll wie am Vortag.  Es lag stets mehr oder weniger Dunst in der Luft, aber immerhin kein Regen und "verdeckter Sonnenschein".

Kalaueralarm für das letzte Bild!
Ich habe mal Isländisch Moos in freier Wildbahn fotografiert.
Apropos Moos. Komisch dass die Isländer von der Wirtschaftskrise so stark getroffen wurden. Moos und Asche haben die doch ohne Ende. Aber wenn man meint die Asche regelmäßig über die halbe Welt zu verbreiten braucht man sich nicht zu wundern wenn einrm das Moos ausgeht...  ;-)

Samstag, 6. September 2014

Fire and Ice

Nein, falscher Titel und nicht der Bogner Film.
Water and Ice wäre besser um den Tag zu beschreiben.
Der Tag begann nicht besonders vielverspechend. Dicke Wolken und kurzzeitig Regen begleiteten das Frühstück.
Die Regenjacke am Vormittag war aber weniger dem Schauer als eher dem ersten Ziel der Tagesetappe geschuldet.
Angefahren wurde der Seljalandsfoss der einerseits recht imposant in die Tiefe stürzt, den man aber auch ungestraft hintergehen kann. Also etwas das was man sonst, egal ob mit einem Wasserfall oder Mitmensch, unterlassen sollte.  ;-)
Es ist schon ein besonderer Eindruck "von hinter den Kulissen".
Weiter ging es dann zum Skógafoss. Dieser wurde nur im Japaner Modus abgehakt, obschon er auch nicht von schlechten Eltern ist.  Leider fehlte die Zeit die Treppe zur Abbruchkante zu erklimmen.
Apropos Japaner. Neuester Trend bei Asiaten und Arabern scheint es zu sein das Mobiltelefon bzw. die Digitalkamera an einem Stock über Kopfhöhe zu tragen oder "Langabstand" Selfies zu erzeugen.
Kurz vor dem Ort Vík wird am Übergang der Dyrhólaós Bucht / Lagune in den Atlantik der Golfstrom begrüßt. Es ist schon interessant direkt am Meer zu stehen und schneebedeckte bis zu 2000m hohe Berge zum greifen Nah zu sehnen.
Im Ort Vík sizt man derzeit auf gepackten Koffern. Die benachbarte Katlar (grummelige / regelmäßig aktive und damit riskante Vulkane sind in Island meist weiblich) macht derzeit "Bunga Bunga" und grummelt und bebt vor sich hin. Man rechnet mit einem Ausbruch der vsl. eine Flut aus Schmelzwasser erzeugen wird (neben den üblichen pyrotechnischen Effekten eines Ausbruchs) und wenn es dumm läuft kommt das alles durch das Ort durch. Was derartige Schmelzfluten anrichten können wird einem mehr als deutlich ein paar Kilometer später deutlich. Über Kilometer Mondlandschaft, zerstörte Brücken usw. 

Die Strase führt derweil weiter der Südküste entlang, oftmals zwischen der relativ flachen Küste und den ersten Erhebungen vor eindrückliche Bergkulissen vorbei. Die Vegetation angepasst könnte man hier Filme in Landschaften die quer über den Planeten Erde verteilt liegen dicht nebeneinander drehen. Von Grand Canyon (in Klein) bis Khao Lak, von den Felsenfornen ist alles da.
Aber das beste war, das Wetter wurde mit jedem Kilometer besser.
Die Gletscher rücken dabei immer näher an die Küste und erscheinen immer mehr zum Greifen nah. Nach etlichen Kilometern Mondlandschaft wird der Südwestzipfel des Vatnajökull Nationalpark erreicht. Der Vatnajökull ist der größte Gletscher Europas und seine Ausläufer kommen auf wenige Kilometer an die Küste heran. Der Abstand wird aber immer größer. Die Gletscherausläufer schmelzen, wie auch andere eigenständige Gletscher hier im Süden, kontinuierlich ab und gehen dadurch zwischen 30 bis 70 Meter im Jahr zurück.
Das Infozentrum informiert sehr gut wie man bis noch vor wenigen Jahrzehnten mühsam die "Aschewüsten", Flüsse mit Gletscherwasser und Gerölllandschaften überwinden musste im den Osten der Insel zu erreichen, sowie den Gletscher und die vulkanischen Aktivitäten unter dem Eis und deren Folgen. Mit eine der heftigsten Folgen der jüngsten Zeit hatte der Ausbruch des Grímsvötn in 1996, welche  im wesentlichen durch die Flut des geschmolzen Gletschereis als auch durch Ascheniederschlag noch heute zu erkennen sind.
Nachdem die Infos aufgesaugt und die Gletscher zusammen mit dem darüber thronenden höchsten Berg Islands, dem Hvannadalshnjúkur mit 2.110 Metern, fotografiert wurden ging es zum absoluten Highlight des Tages.  Zur Gletscherlagune.
Hier reicht eine weitere Gletscherzunge des Vatnajökull bis fast ins Meer. Sie endet in einer Lagune die einen nur knapp einen Kilometer langen Abfluss in den Atlantik hat. Es war faszinierend den Eisbergen beim treiben zuzusehen.
Abschließend wird sich im Hotel "Smyrlabjörg" beim köstlich und mit reichlich Auswahl gestalteten Buffet noch regionales "Gletscherbier" gegönnt. Sehr gut, sowohl das Helle als auch das Dunkle.
Später konnten noch ein paar schwache Polarlichter gesichtet werden. Bevor Kommentare kommen.  Nein, diese waren keine Folgen des Biers. Bei den hiesigen Preisen ist der dafür nötige "Level" nicht realisierbar.  *lach*

Der Mond schien zudem so hell dass ich meinen Schatten bei Nacht (die schwarze Seele?) sehen konnte und machte damit das Sichten dieses Efekts leider etwas schwer.

Freitag, 5. September 2014

Wasser Wasser Wasser

Der heutige Tag Stand im Zeichen des Wassers.  Aber zum Glück nicht von Oben.
Das Wetter war nicht mehr so toll wie gesern,  aber am Gullfoss Wasserfall hatte es sogar vorübergehend Sonne.
Aber alles schön der Reihe nach.
Heute Morgen ging es zunächst aus Reykjavik raus in östliche Richtung nach Þingvellir. Neun. Der Monitor ist nicht defekt.  Das schreibt sichiso  :-)

 An dieser Stelle tagte erstmals 930 n. Chr. das islndischen Parlament. Natürlich nicht wie heute bis zu täglich sondern ein mal im Jahr. Da die Parlamentssitzungen, im Gegensatz zu den schon Jahrhunderte früher tagenden Griechischen Parlament(en), bis heute ohne Unterbrechung durchgeführt wurden kann Island für sich in Anspruch nehmen das älteste Parlament der Welt zu besitzen. Þingvellir gibt auch dem dortigen Nationalpark seinen Namrn und liegt am Nordufer des Sees Þingvallavatn, dem größten Binnensee Islands.

Auch aus geologischer Sicht ist Þingvellir interessant. Der dortige See bzw. das Tal allgemein befindet sich mitten in der Driftzone der Amerikanischen und der Eurasischen Kontinentalplatten. Dadurch wird das Tal immer breiter und tiefer. Besonders auf der Eurasischen Talseite sind die durch die Spalten und Rissbildung erzeugten "Treppen" im Hang sehr gut erkennbar.
Nach so viel Kultur und Wissenschaft ging es weiter zum Gullfoss Wasserfall.
Hier stürzt der Fluss Hvítá in zwei Stufen zunächst 11m und anschließend 21m in die Tiefe. Während die erste Stufe zwar imposant breit aber fast einer überhohen Stromschnelle gleicht stürzt das Wasser in der zweiten Stufe spektakulär in eine schmale Schlucht.
Nach diesem  stellenweise feuchten Vergnügen ging es zum weltweiten Namensgeber der "überdimensionierten natürlichen Wasserkocher", dem Stóri Geysir (grosser Geysir). Dieser ist zwar einer der ältesten bekannten Geysire aber ein recht fauler Geselle und auch heute hatte er keine Lust zu sprudeln.
Das überlässt er lieber seinem benachbarten Kollegen, dem Strokkur (zu deutsch Butterfass). Beide liegen in einer kleinen Fläche im Heißwassertal Haukadalur. Der Strokkur bricht alle paar Minuten aus, was das Fotografieren "relativ" einfach macht.
Nach den Geysiren wurde noch ein weiterer Wasserfall, der Vatnsleysufoss, besucht in dessen unmittelbarer Nachbarschaft sich eine runde Anlage befindet die fast an eine verkappte Stierkampfarena ohne Tribüne erinnern könnte. Aber hier werden zum Ende des Sommers die von den Wiesen zusammengetriebenen Schafe wieder auf die entsprechenden Bauernhöfe auseinandersortiert.
Zur Übernachtung geht es weiter in den Süden nach Hvolsvelli (hier passt die Speisekarte auf das Ortsinfoschild), in Sichtweite der auf 10 bis 30km Entfernung vor der Küste liegenden Vestmannaeyjabæjar Inseln (Westman Islands) und in der andernen Richtung landeinwärts liegenden Berge  (wie es sich hier gehört Vulkane) wie u. a. Katlar und Eyjafjallajökull. Bei letzterem sei an 2010 erinner, als dieser (wobei Isländer ihre Vulkane gerne Weiblich benennen) den fluglärmgeplagten Anwohnern z. B. des
Frankfurter Flughafens, Ruhetage verschafft hatte. Unter anderem die Isländer fanden es weniger erholsam.
Achja. Auch der Bus Marke Mercedes mit Islandanpassung sei gezeigt.  Die ggü. den in D üblichen Modellen nicht unwesentlich erhöhte Bodenfreiheit und Stoßdämpferwege dürften auf der weiteren Route noch ihre Berechtigung stärker beweisen können. Trotzdem wäre ein Zug bequemer :-)
So, genug geschrieben. Bilder sagen mehr wie tausend Worte.

Island duck dich!

Ich komme...

Aber wie so oft stehen vor dem Vergnügen die Mühen.
So gilt es erst einmal zum Flughafen zu kommen. Dues geschah konform mit dem Blogtitel mit der Vias nach Ffm Hbf (an 10:35, die Karre als Einteiler geführt war gesteckt voll) und dann mit der S8 "Retro Linie" im 420er zum Flughafen. Dann galt es die "ganzen Freuden der heutigen Luftfahrt" mit Anstehen am Check In,  Securityshow (ich kam zum ersten mal ohne *Biiiiiep*durch die Schleuse) und Boarding-Rumgegammel zu durchleiden.
Der Flug war unspektakulär (Ffm / FRA ab mit +30 und niemand murrt) und nach gut 3:15h wird der Flughafen Keflavík etwas südwestlich von Reykjavik erreicht.

Das Wetter ist top, soll aber due nächsten Tage leider nicht so bleiben. Mal schauen, das hiesige Wetter doll Berichten nach ohnehin unberechenbar sein. 


Nach dem Zusammensammeln der Reisegruppe zum Bus geht es durch die allgegenwärtigen Lavafelder zur "Blue Lagoon". Diese ist eigentlich ein Abfallprodukt des dortigen Geothermiekraftwerk. Man könnte hier im "saaschwarmen" Wasser gerne länger verweilen aber das Abendessen und Hotel ruft. Si bleibt es bei 1h Schnelldurchgang in der Brühe.

Immerhin wirkt der Vorteil der Zeitverschiebung.  Island ist minus 2h gegenüber der MESZ.
Oh da fällt mir ein dass ich die Kamera noch nicht umgestellt habe...

Nach dem Badevergnügen geht es an der Küste entlang zum Abendessen mit kurzem Abstecher zum Sitz des Präsidenten (geradezu Schweizer Zustände) und weiter zum Hotel.

Reykjavik ist eine quirlige Stadt. Um kurz nach 22Uhr ist auf der Haupteinkaufs- und Kneipenstrasse "Betrieb wie in Frankfurt uff de Zeil im Sommerschlussverkauf"  :-)
Aber es ist auch interessant über was es hier alles Museen gibt. ;-)

Achja. Von wegen keine "Eisenbahn" auf der Insel. Eine DB ScHenker Dependance wurde schon gesichtet.Fehlen nur noch die Bahnstrecken  :-D