Sonntag, 19. Juli 2026

Durchs Vinschgau hinauf

Petrus war heute irgendwie nach April, ausser Schneefall war (fast) alles drin.
Das BB Hotel in Bozen ist nur bedingt empfehlenswert und liegt weit unter dem was ich sonst von der BB Gruppe kenne.Das Hotel wurde in einen 70er Jahre Büroblock gezwängt, die Zimmer sind soweit in Ordnung (es hat sogar einen Mini Kühlschrank) und die Klimaanlage funktioniert, wenngleich sie bisweilen komische Geräusche macht. 
Leider gibt es keinen Fahrradraum und das Personal kennt nur italienisch und eine gefühlte Form von Englisch. Eher untypisch für die Hauptstadt von Südtirol. Sonderlich lange gibt es das BB hier relativ abgelegen vom Stadtzentrum noch nicht, erscheint aber bereits etwas abgewohnt.
Egal, es war die günstigste. Viele Hotels wollen in Südtirol und angrenzenden Österreich min 3-5 Übernachtungen.
Ich kann es ja ein wenig verstehen wenn eine einzelne Nacht eine Wochenbuchung verhindert. Aber mir als Tourenfahrer nutzt das nichts.
Besonders frech finde ich sich bei der Bett&Bike Website als "auch Einzelnächte" sich listen zu lassen aber dann entweder diese auf der Hotelwebsite nicht anzubieten oder auf Anfragen gar nicht zu reagieren. :-(
So, jetzt geht's aber los. Erstmal über die Brücke und dann der Eisack folgend bis kurz vor die Mündung mit der Etsch.
Dabei wurde der erste Nachschuss auf einen Flirt nach Meran möglich, der gerade in Bozen Süd hält.
Und dann geht es mal rechts und eher mal kurzzeitig links der Etsch entlang.
Dabei wird auch die Brücke der 1963/71 eingestellten Überetscher Bahn genutz. Die gestern mehrfach befahrene "gelbe Brücke" in Bozen gehörte übrigens auch zu dieser Bahn.
Auch wenn es auf den Fotos nicht so aussieht. Auf dem Radweg ist am heutigen Sonntag richtig was los, wenn aber Gruppen und Einzfahrer die meinen es sei seine Etappe des Giro d'Italia mit Sonntagsradlern zusammen wird es bisweilen schon haarig. 
Es hat zudem kaum Steigungen so dass ich, abgesehen von ein paar kurzen Stutzen an Über- oder Unterführungen die Motorunterstützung aus lasse. Es rollt richtig gut.
Bei Gargazon erwische ich eine Zugkreuzung und hinter dem Bahnhof von Lana-Burgstall den Zug nach Bozen im Umfeld für dass das Vinschgau bekannt ist: Berge und Apfelplantagen.
Der Weg via Meran mich schon letztes Jahr auf der Etappe genervt hatte und ein Schlenker durch die Altstadt mit vielen Sonntagsausflüglern eher suboptimal sein dürfte biege ich nach der Unterführung Richtung Lana auf die andere Talseite ab.
Das kostet mich ein paar zusätzliche verlorene Höhenmeter, aber die Ausblicke sind schöner wie das Meraner Industriegebiet oder eine ggf. überquellende Altstadt. Auch sind viel weniger Radler unterwegs. 
Den Blick auf Meran gibts gratis dazu und auch ein Zug lässt sich (siehe auch Beitragstitelbild) auf dem Weg nach Meran in Marling blicken. 
Da dieser einen relativ langen Halt im Bahnhof hat gelingt es ihn nochmal hinter dem Bahnhof abzufangen.
Der Zug ist sehr gut besetzt, eine Doppeltraktion wäre sinnvoll, aber vielleicht wollte man nicht mehr wie absolut nötig seiende Diesel GTW 2/6 der dritten Generation auf ETCS L2 (oder vergleichbares) umrüsten da diese durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden sollen.
Dazu wird die Vinschgaubahn die 1990 von der FS stillgelegt und nach einer Sanierung 2005 von der regionalen SAD sowie STI wieder eröffnet. 
Nun steht der nächste Schritt an. Die Strecke wird auf ETCS L2 oS, also ohne Lichtsignale, umgerüstet sowie elektrifiziert. Aktuell sollen bereits die neuen Coradia Stream Elektrotriebwagen von Alstom im Einsatz unter der Fahrleitung sein. Ich sah heute aber nur Diesel GTW.
Nach den Bahnfots gehts durch Forst wieder hinunter ins Tal und so kam auch mal an der Brauerei Forst vorbei. Aber ohne einzukehren.
Seitenwechsel an der Etsch ind kurz darauf geht es wieder stramm berauf, die Geländestufe zwischen Algund und Töll will unter anderem mit 7 Kehren genommen werden. 
Am Scheitelpunkt hat man eine neue Unterführung gebaut sobdass man nicht mehr die stark befahrene SS39 überqueren muss ind man kommt direkt am Stauwehr raus was einem rauschend begrüßt. 
Ab jetzt ust wieder entspanntes und fast steigungsfreies Radeln angesagt.
Bei Plaus queren beim Warten auf den Zug nach Laas (Laas - Mals ist aktuell wegen der Streckenertüchtigung gesperrt) ein paar Schlauchbootfahrer das Bild, schade etwas später hätte sich das zusammen mit dem Zug gut gemacht. 
Letztes Jahr auf der 139km Etappe kam ich nicht dazu, heute machte ich den kleinen Abstecher zum Werksverkauf des hiesigen Speckherstellers das auch ein paar Infos zur Geschichte und Herstellung bereithält. 
Leider ist der Platz in den Fahrradtaschen beschränkt, denn die Sorte Speck&Gin hätte mich glatt gereizt. So bleibts bei Kaminwurzen, wenn der kleine Hunger kommt  :-D
Es zieht sich kurz nach Plaus etwas zu und wird regelrecht stürmisch aber fast ohne Regen. Erst in Staben lässt der Wind und der leichte Regen wieder nach.
Eine gute Gelegenheit auf ein Radler in der Radbar einzkehren.
Gegenüber macht der Erlebnisbahnhof mit seinen beiden ex RhB Wagen (?) und der 5" Feldbahn erst nach 14 Uhr auf. Schade, aber kommt auf den Merkzettel.
Dann mal weiter dem Fluss entlang um bei Kastelbell ein "finde den Zug" Bild des kleinen Zug in viel Landschaft zu generieren. 
Hinter Kastelbell und der Unglücksstelle an der 2010 ein Zug von einer Mure erwischt wurde  nimmt der Wind wieder merklich zu. Die Elektrounterstützung tut nun ihr Werk. 
In Göflan bei Schlanders liegt nun am Nachmittag die Brücke im Gegenlicht, aber 2025 gekangvha vormittags ein Foto mit Zug.
Daher einfach nur eine Rast im Cafe Plat'zl nebenan bevor es frisch gestärt in die nächste Geländestufe hinauf ins Marmordorf Laas geht.
Aber auch der Absatz kann gut genommen werden, wobei die Beine nun der Meinung sind sie hätten heute Vormittag genug alleine gemacht und nicht mehr so recht Lust haben. Daher bleiben am Etappenziel auch nur 18% Restakku, sprich den 625er vom alten Rad hätte ich leer gemacht. 
Die Fragmente des ehemaligen Aquädukt das zum Netzwerk der Waale zur Feld- ubd Wiesenbewässerung gehörte beannte vor über 100 Jahren 1907 teilweise ab, stehen aber immernoch. 
Eine Brücke auf der Brücke ermöglicht das Queren der Etsch, ein sonderbares Konstrukt während des Brückenbeubau bzw. der Sanierung. 
Durchs Ort geht's weiter Richtung Bahnhof wo derzeit alle Züge enden.
Hier befindet sich auch die Werksanlage der Marmorverarbeitung aus den Laaser Marmorbrüchen.
Die weit bekannte Laaser Marmorbahn mit der die Stücke aus dem Steinbruch zunächst per Feldbahn zur Standseilbahn gefahren wurden, dann die Wagen mit ihrer wertfollen Fracht die Standseilbahn hinunter und dann quer durchs Tal und über die Etsch ins Werksgelände gefahren wurde ist zwar noch vorhanden aber bach ihrer Einstellung 2019 (wegen techn. Mängel) langsam kaum noch zu erkennen. Seilkräne haben den Job der Marmorbahn übernommen. 
Über die Brücke und bis mehrere hundert Meter vor der Talstation wurden die Gleise überschüttet und somit begeh- bzw. befahrbar gemacht. 
Danach verschwinden die Gleise im Grünzeug und unter einem Holzlagerplatz. Die Trasse der Standseilbahn ist noch erkennbar, wächst aber auch stets weiter zu. Schade um so ein Industriedenkmal.
Aber ich habe noch ein paar wenige Kilometer vor mir, aber bald wird schon Eyrs erreicht. 
Der CheckIn im "Roadhotel" läuft komplett online ab, aber bei Bedarf würde auch das Personal vom zugehörigen Bistro helfen. Was aber nicht nötig ist.
Jetzt erstmal was feines aus hiesigen Äpfeln das es in der Speckwelt/Museum auch gab. Ich habe Durst.
Zufällig entdecke ich dass der Eurospin Supermarkt (kling eher nach einer Daddelbude), Sonntags auf hat. Mal sehen was es da so gibt für die Begleitung des Reiseberichts.
Oh ja, ba klar. Glühwein, das wäre es doch 🤣
Abendessen dann mit Mafiatorte und ja, die können die hier auch sehr gut.
Der Spruch an der Wand gefällt mir und wenns nicht klappt... dan hilft der Kühlschrank daneben vielleicht kurzzeitig etwas.
So bricht langsam die Nacht herein. Zeit fürs Bett. 

Morgen geht's als drei Länder fahrt über den Reschenpass nach Landeck.

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